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Diese Botschaft kommt von Herzen

Von Ronja Spielmann und Nadine Westphal

Er hat es wieder getan. Der Unbekannte. Der Liebende. Der vielleicht Verschmähte: Er hat zum dritten Mal die beiden großen Herzen auf dem Asphalt der Torgelower Straße in Pasewalk nachgezeichnet. Für alle Ewigkeiten sollen sie die Straße zieren. Er will erhört werden. Das wird er jetzt – von den beiden Praktikantinnen des Nordkurier, Ronja Spielmann und Nadine Westphal. Sie sind der Geschichte dieses Symbols nachgegangen und haben sich so ihre Gedanken über den Maler gemacht.

2016 15 07 praktikum kl10

Zwei so große Herzen kann man nicht übersehen. Sie befinden sich in der Torgelower Straße in Pasewalk. Die Nordkurier-Praktikantinnen Ronja Spielmann (links) und Nadine Westphal sind der Geschichte des Symbols nachgegangen und haben sich so ihre Gedanken gemacht, was der unbekannte Künstler mit dem Symbol sagen will.

UECKER-RANDOW. Autos fahren über den Asphalt der Torgelower Straße in Pasewalk. Die Straße flitzt unter den Rädern dahin. Die Fahrer schrecken auf. Sie wundern sich darüber, was sie sehen: Liebesbekundungen? Grüne Herzen begleiten die Torgelower Straße und die Chaussee bis Viereck. Ist das ein geeigneter Platz für die Malereien? Wird die „Liebe" nicht tagtäglich von Hunderten Autos überfahren? Andererseits kann sie dort von jedem bewundert werden. Doch warum schmücken nur Herz-Symbole die Straßen? Genauso gut hätte es doch auch der Name der Liebsten oder des Liebsten getan. Der unbekannte Künstler entschied sich für das Herz, denn jeder weiß auch ohne Namen sofort, dass er verliebt ist. Woher kommt eigentlich diese Verbindung mit der Liebe?
Das Herz – das Organ, das wir immer spüren! Je nach Gefühl verändert sich das „Verhalten" des Herzens: Bei Wut, Aufregung und Angst schlägt es schneller, sind wir gelassen, etwas langsamer. Erschrecken wir uns, kann es sogar für eine Sekunde aussetzen. Und sind wir verliebt, fühlt es sich so an, als würde es jeden Moment herausspringen wollen. Der Philosoph Aristoteles aus dem antiken Griechenland bemerkte, dass körperliche Reaktionen und Gefühlszustände eng miteinander verknüpft sind. Er war überzeugt, dass im Herzen die Seele sitzt. Heute ist uns klar: Das Gehirn ist für Gefühlsregungen verantwortlich. Dennoch kann man nicht leugnen, dass das Herz bei unserem Empfinden eine Rolle spielt, auch wenn es vorrangig für das Funktionieren des Herz-Kreislauf-Systems zuständig ist. Diese Meinung vertraten auch schon die alten Ägypter.
Im Mittelalter wurde das Herz zum Sitz der Seele, Weisheit und der Liebe erklärt. Diese Metapher ist uns bis heute geblieben. Geläufige Redewendungen, wie „aus tiefstem Herzen", „das Herz schlägt mir bis zum Halse" oder ein „gebrochenes Herz" sind in unserem Sprachgebrauch vertreten. Die mittelalterlichen Dichter verankerten diese Redensarten in ihren Werken. Also hatte das Herz für die Menschen eigentlich schon immer eine ganz besondere Bedeutung, genau wie für unseren Künstler.
Und die Form? Jedes Kind zeichnet ein Herz so, wie der Pasewalker Straßenmaler. Eine genaue anatomische Abbildung wäre natürlich zu kompliziert und im Mittelalter und den früheren Zeiten, in denen die Form entstand, auch noch gar nicht bekannt. Aber weshalb entwickelte sich die Zeichnung gerade zu dieser Form?
Jahrhunderte vor Christus wurde die Herzform bereits stilisiert. Auf Artefakten, wie Vasen, sind Efeublätter zu erkennen. Die Kultur der Römer, der Griechen und des frühen Christentums sahen Efeu als Zeichen für die ewige Liebe, da diese Pflanze als langlebig gilt. Auch das Feigenblatt aus der Bibelgeschichte mit Adam und Eva ist Wegbereiter der Herzform. Weltweit bekannt wurde das Symbol des Herzens tatsächlich durch die Kirche. Christen verwendeten es, um das „Herz Jesu" darzustellen und zu erklären, dass Jesu allein aus Liebe auf die Erde kam.
Ob der Zeichner mit seinen Herzen auch seine Liebe für Gott ausdrücken wollte, ist fraglich. Vielleicht möchte er seine Heimatliebe zu Pasewalk zeigen? Schließlich beginnen die Herzen hier. Ein weiteres Motiv könnte Nächstenliebe sein, indem er den Fahrern, die auf dieser Straße fahren, eine Freude bereitet und ihnen so eine sichere Fahrt wünscht. Das wäre mal eine nette Geste! Letztendlich scheint es ein Liebesbeweis für einen Menschen zu sein. Wurde er zurückgewiesen? Möchte er bewirken, dass sich die Zurückweisung in Liebe verwandelt? Oder trägt er die rosarote Brille und zeigt nun allen, wie stark Gefühle sein können?
Seit Herbst existiert der Herzweg. Immer wieder wurden die Herzen nachgemalt, sobald die grüne Farbe verblasste. Seine Liebe scheint nicht zu verblassen! Wenn wir uns des Anblicks einmal nicht mehr erfreuen können, wissen wir, dass seine Liebe verloschen ist, oder er hatte einfach keine Lust mehr, sich wieder und wieder auf die Straßen zu begeben, um sein Werk aufrecht zu erhalten.
Übrigens: Unter Sachbeschädigung fällt seine Arbeit nicht, eher unter künstlerischer Freiheit. Immerhin ist es kein unschönes Graffiti, es sind minimalistische Herzen. Und wer sich über Herzen aufregt, hat wohl selber keines.

 

 

 
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